Wie der Profi Hyperlapse erklärt

In seinem ersten großen Hyperlapsefilm hat der 29-jährige Alexander Krebs seine Heimatstadt Dresden außergewöhnlich und unnachahmlich eingefangen und inszeniert. Mittlerweile hat es den Filmemacher aus Sachsen in den Norden gezogen. Direkt an unseren Schnittplatz. Hier im Interview spricht Alex über die Faszination Hyperlapse und erklärt ein wenig die Magie dahinter.

Alex, was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff „Hyperlapse“?
Hyperlapse sind eine besondere Form von Timelapse, also Zeitraffer, und sind auch an diesen Namen angelehnt. Der Begriff „Hyper“ beschreibt dabei die räumliche Bewegung der Kamera während der Aufnahme über eine weite Strecke. Bei normalen Timelapseaufnahmen steht die Kamera still oder wird maximal auf einem Slider im Bereich 50 bis 200 Zentimeter bewegt. Bei Hyperlapseaufnahmen hingegen werden Distanzen von 50 bis 200 Metern, oder sogar mehr zurückgelegt und ermöglichen so einen einzigartigen räumlichen Eindruck des aufgenommenen Objekts.

Hyperlapseaufnahmen umgibt ja noch so eine besondere Faszination. Warum eigentlich?
Hyperlapse verbinden zum einen die Faszination von Zeitraffern, in kurzer Zeit Vorgänge sichtbar zu machen, die das bloße Auge so nicht wahrnehmen kann. Zum Anderen ist es diese räumliche Bewegung während dieser Vorgänge. Oft entsteht dabei der Eindruck, dass die Kamera während des Zeitraffers durch den Raum „fliegt“. Zudem entstehen Hyperlapseaufnahmen aus einzelnen RAW-Fotos, die eine sehr hohe optische Qualität und einen hohen Dynamikumfang ermöglicht. Wolkenbewegungen, Sonnenverlauf, Tag-zu-Nacht-Übergänge, solche Szenen bekommen eine völlig neue Brillanz.

Selbst unter erfahrenen Filmemachern wagen sich nicht alle an diese Technik. Warum?
Diese Art der Aufnahmen sind sehr zeitintensiv. Und vor allem braucht man viel Ausdauer und anhaltende Konzentration während der Aufnahme, um ein möglichst stabiles Endresultat zu bekommen. Für einen 10-Sekunden Clip benötige ich zum Beispiel 250 einzelne Fotos. Zwischen jedem Foto muss die Kamera um wenige Zentimeter bewegt, neu ausgerichtet und der Horizont angeglichen werden. Je nach Intervall hat man dafür pro Foto circa acht Sekunden Zeit bevor das nächste Foto geschossen wird. Diese Vorgehensweise erfordert viel Erfahrung und noch mehr Übung.

Was genau unterscheidet Hyperlapse-Szenen in der Produktion von anderen Realfilm-Szenen?
Der größte Unterschied ist definitiv die zeitliche Komponente. Da man Vorgänge, die zum Teil über mehrere Stunden andauern, zeigen möchte, braucht man für eine einzelne Sequenz von zum Beispiel 10 Sekunden ein bis zwei Stunden in der Produktion. Auch die Postproduktion pro Szene nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.

Gibt es Bereiche wo der Einsatz von Hyperlapse besonders gut passt?
Mit Hyperlapseaufnahmen lassen sich besonders Gebäude spektakulär in Szene setzen, insbesondere wenn es sich um Nachtaufnahmen handelt. Aber auch strömende Menschenmassen auf Veranstaltungen und Events lassen sich durch diese Aufnahmetechnik ganz neu in Szene setzen.

Wäre auch ein kompletter Unternehmensfilm aus Hyperlapse-Sequenzen denkbar?
Film im Sinne von Kurzfilm mit Sicherheit, ja. Dafür gibt es auch schon einige Beispiele auf den gängigen Videoplattformen. Die Schwierigkeit dabei ist allerdings eine „Story“ mit dieser Art von Aufnahmen zu erzählen. Ein Meister des Fachs, was Storytelling mit Hilfe von Hyperlapse angeht, ist mit Sicherheit Rob Whitworth. Seine „Flowmotion“-Kurzfilme sind atemberaubend und produktionstechnisch High-End-Content.

Linktipp (englisch) Talking to Rob Whitworth

Wie bist du auf die Spur von Rob Whitworth gekommen? 
Angefangen habe ich mit normalen Timelapseaufnahmen, bis ich dann 2011 zum ersten mal eine Hyperlapseaufnahme zu Gesicht bekam. Damals konnte ich mir nicht erklären wie diese Art von Aufnahmen entstehen und war sofort unglaublich fasziniert und neugierig. Nach kurzer Recherche im Netz bin ich auf den Begriff „Hyperlapse“ gestoßen und wollte es sofort selber probieren. Besonders der Fakt, dass man keine große und teure Technik dafür benötigt, hat mich gereizt. Meine ersten Aufnahmen habe ich mit einer 400 Euro DSLR, einem relativ billigen Stativ und einer 15 Euro Intervallfernbedienung angefertigt. Die Kombination von zeitlich gerafften Vorgängen in Verbindung mit einer durch den Raum „fliegenden“ Kamera fasziniert mich bis heute.

Hyperlapse-Szene Hamburger Landungsbrücken 

Hyperlapse-Film Dresden

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